in Niedersachsen

Im niedersächsichen G.-H. befindet sich eine der wenigen Amerikanischen WurliTzer® Theaterorgeln, die es in Deutschland gibt (3/11 = 3 Manuale, 11 Ranks).
Der Theaterorgelfreund Willi W. (Kenner der Szene wissen, wer gemeint ist) hat seine Orgel 1989 aus den USA in seine Heimat geholt und seitdem unter unendlichem Einsatz an Freizeit, Studium von Fachliteratur, Unterstützung durch Fachleute in den USA und Deutschland zerlegt, dokumentiert, die vielen Einzelteile überholt und alles neu zusammengebaut.
Dafür musste sogar sein Haus umgebaut und für die Pfeifenkammer ein großer, perfekt dimensionierter Anbau errichtet werden (die Konsole selbst steht in einem "Keller", der ursprünglich mal zu einem Schwimmbad ausgebaut werden sollte).
Zum Glück hat Willi W. eine Frau, die sein verrücktes Hobby nicht nur duldet, sondern sogar voll unterstützt.
Im November 2008 hatte ich zusammen mit einer Gruppe von Theaterorgelfreunden die tolle Gelegenheit, die Orgel zu besichtigen und in einer perfekt arrangierten Vorführung zu hören. An diesem gelungenen und sehr unterhaltsamen Nachmittag wurde die Orgel erstmalig in ihrer ersten Ausbaustufe vorgeführt. Die Perkussionsinstrumente (Trommeln, Glockenspiel, Röhrenglocken, Xylophon) und die Spezialeffekte ("Toy Counter") waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht installiert, so dass dem inzwischen über 70-jährigen Eigentümer und Erbauer auch in nächster Zeit nicht die Arbeit an seinem Prachtexemplar ausgehen wird.
Alle Zuhörer waren sich einig in der Meinung, dass diese Orgel perfekt intoniert wurde und einen wunderschönen Klang hat. Wir freuen uns schon auf die nächste Vorführung.
Zur Vorgeschichte der Orgel, die von seinem jetzigen Eigentümer genauestens recherchiert wurde (er hat jeden dieser Orte selbst aufgesucht!), hier eine kurze Übersicht:
am 23. Februar 1921 wurde die Orgel im Werk Tonawanda (USA) für das Warwick Theater in Kansas City gebaut,
in den 30er Jahren kam die Orgel zu einer Radiostation in Dayton (Ohio, USA)
von 1945 bis 1963 stand die Orgel in einer Kirche,
von 1963 bis 1975 in einem Privathaus in Milford (USA),
1975 wurde sie an die Orgelbaufirma Junchen & Collins in Darlington (Illinois, USA) verkauft
und von dort bald weiter an ein Pizza-Restaurant an der Westküste der USA, wo sie über 3 Etagen installiert war,
von 1981 bis 1989 stand sie dann bei einem Wissenschaftler in Kalifornien (USA)
und kam sodann per 40-Fuß-Container nach Deutschland. Der Inhalt (die ca. 800 Pfeifen der 11 Register, der Spieltisch, die Perkussionsinstrumente und der Winderzeuger wogen ca. sechs Tonnen und konnten dank vieler helfender Hände am Bestimmungsort in nur 2 Stunden ausgeladen werden!)
Die Teile der Orgel sind übrigens weitestgehend Orignalteile, soweit diese noch zu verwenden waren.
Lediglich die elektronische Steuerung zwischen dem Spieltisch und den Tonerzeugern wurde durch eine moderne Mikroprozessor-Elektronik ersetzt, um den Aufwand mit dem Verlegen von Kabeln in Grenzen zu halten.
Hier folgen nun ein paar weitere Bilder, die ich bei der Vorführung im November 2008 aufgenommen habe
(die Bilder können per [Rechtsklick] > [Grafik anzeigen] vergrößert werden):

Die Konsole

Blick in die Pfeifenkammer

Blick in die Pfeifenkammer

Blick in die Pfeifenkammer

Die Perkussionsinstrumente müssen noch installiert werden.
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